Der Lippenstift

Prostitution in der Antike

 Der Lippenstift, 70×20 mm, Messing, Plastik, Wachs, Farbstoffe 

Der rote Lippenstift galt im antiken Griechenland als eine Art Kennzeichnung für Prostituierte und Hetären. Die Pflicht sich die Lippen zu bemalen sollte sie erkennbar machen und sie unterscheiden von den „anständigen“ Damen.

Ehefrau, Hetäre, Prostituierte

Mann unterschied zwischen drei verschiedenen Formen des Umgangs mit Frauen.
Die Ehefrau galt zur Fortpflanzung und Fortführung der Familie und als Hausverwalterin.
Die profane Prostitution und der Besuch von Bordellen stand allen Männern zu und war eine billige Form der regelmäßigen körperlichen Befriedigung. Dies war der Ort an dem die Männer sexuelle Erfahrungen sammelten vor und während der Ehe, da die Ehefrau ausschließlich für die Zeugung der Nachfahren diente.
Des Weiteren hatten die griechischen Männer eine Hetäre an ihrer Seite. Hetären übersetzt bedeutet so viel wie „Gefährtinnen“. Hetären pflegten nicht nur ein erotisch-sexuellen Umgang mit ihren Kunden sondern zu ihrer Arbeit gehörte auch, ihre Kunden kulturell und intellektuell zu begleiten. Eine Hetäre zu unterhalten und deren Umgang zu pflegen war gängig und anerkannt, war meist aber nur aristokratischen Männern zugänglich. Anders als die Ehefrau war die Hetäre da, um den Mann in die Welt der schönen Dinge, der Kunst, Musik, Literatur und Philosophie zu begleiten und mit ihm intellektuelle Gespräche zu führen. Sie waren gebildet, betrieben Musik und der Umgang mit ihnen war nicht verpönt. Hetären waren meist gebildete Frauen, was für diese Zeit eher ungewöhnlich war. Damit bildeten sie einen wichtigen Teil der griechischen Kultur. Es war eine angesehenen weibliche Lebensform, deren Entgelt gering bis hin zu hohen Summen reichen konnte. Trotz ihres angesehenen Status waren viele Frauen unfreiwillig, schon früh, als junge Mädchen von Bordellen gekauft worden und fortan gezwungen diesen Beruf auszuüben. Für ihre Dienstleistungen wurde eine Steuer erhoben, welche beiderlei Geschlecht geleistet werden musste.

Hetäre Neaira

Eine der bekanntesten Hetären der griechischen Antike war Neaira. Sie war Teil mehrerer Prozesse und angeklagt wegen Missbrauch des Bürgerrechts. Diese dokumentierten Prozess lieferten viele wichtige Quellen nicht nur zu Neairas Leben, sondern auch zur Prostitution, Frauenrechten und dem Eheleben in der griechischen Antike. Neaira wurde schon als Kind von einer Bordellwirtin gekauft und von ihr als Prostituierte „ausgebildet“. Zu ihre Kundschaft zählten meist Männer aus der besseren Gesellschaft, darunter auch viele Prominente dieser Zeit. Sie zählte zu den  bestverdienensten Hetären und führte Affären mit einigen bedeutenden Männern Athens.  Neaira selbst durfte nicht an den Prozessen teilnehmenden, da es nur Männern gestattet war diesen beizuwohnen.