„Eine Stadt zeichnet – Leipzig“ – Entwicklungstreffen am 22. Oktober 2024
Am Mittwoch, den 22. Oktober 2024, fand am Institut für Kunstpädagogik der Universität Leipzig das Entwicklungstreffen „Eine Stadt zeichnet – Leipzig“ statt. Eingeladen hatten das Institut gemeinsam mit dem Künstler Yadegar Asisi. Interessierte aus Kunst, Pädagogik und Stadtgesellschaft sollten so über das Potenzial zeichnerischer Praxis im öffentlichen Raum ins Gespräch kommen.
Bereits am Morgen herrschte reges Kommen und Gehen im Foyer des Geschwister-Scholl-Hauses. Nach Begrüßung und Vorstellung von Yadegar Asisi durch Prof. Andreas Wendt folgte der Einführungsvortrag Asisis.
In seinem Vortrag betonte Asisi die zentrale Bedeutung des Zeichnens als Kulturtechnik. Zeichnen könne Türen öffnen – insbesondere zur Kommunikation mit anderen Menschen. Schulen, so Asisi, sollten Orte sein, an denen diese Zugänge geschaffen werden. Zeichnen diene der Wahrnehmung, der Verarbeitung von Erlebtem und der Formulierung von Visionen. Asisi sprach sich dafür aus, Zeichnen als eigenständiges Fach im Bildungssystem zu etablieren oder zumindest das Fach Kunst zu stärken, damit es diese Aufgabe wahrnehmen kann. Zeichnen sei eine Sprache, die erlernbar sei. Es gebe rationale Wege, sich dieser Sprache anzunähern – und genau dazu wolle er ermutigen.
Mit einem Appell, nun gemeinsam „in die Stadt aufzubrechen“, begann der praktische Teil des Tages. Rund 120 Teilnehmende – darunter etwa 50 Studierende aus unterschiedlichen Studiengängen, die Mitarbeiter:innen des Instituts, Mitglieder der Urban Sketchers Gruppe aus Leipzig und anderen Städten, Lehrkräfte aus Schulen, Künstler:innen und Interessierte aller Altersgruppen – verteilten sich mit Skizzenblöcken, Bleistiften und offener Neugier rund um das Institut, auf den Nikolaikirchhof und im eindrucksvollen Werkbundgebäude des Geschwister-Scholl-Hauses.
Yadegar Asisi war während des Zeichnens präsent und kam mit zahlreichen Teilnehmenden ins Gespräch – teils einzeln, teils in Gruppen. Er gab Hinweise zu Motiven und zur zeichnerischen Umsetzung, sprach über Fragen der Raumaufteilung, Perspektive, Komposition, Hell-Dunkel-Kontraste und über die individuelle Herangehensweise an das Sichtbare. Auch unter den Teilnehmenden entspannten sich Gespräche – über Technik, Wahrnehmung, aber auch über die Parallelen zu den Treffen der Urban Sketchers.
Am Nachmittag kehrten alle ins Institut zurück. Im großen Atelier wurden die Zeichnungen an den Wänden arrangiert und die Skizzenbücher auf einem großen Tisch ausgelegt. In einer offenen Reflexionsrunde wurde gemeinsam über das Erlebte gesprochen. Asisi betonte hier noch einmal die kommunikative Funktion des Zeichnens. Es wurde ein Stimmungsbild eingeholt: Viele berichteten, wie wertvoll es gewesen sei, sich einmal bewusst Zeit und Raum zum Zeichnen zu nehmen. Der Tag sei geprägt gewesen von konzentrierter Arbeit, Offenheit im Miteinander – und auch interessierten Reaktionen von Passant:innen im Stadtraum. Auch die Balance zwischen den zeichnerischen Fertigkeiten und der Motivation unterschiedlicher Zielgruppen sowie die Notwendigkeit, die verschiedenen Entwicklungsstufen von Kindern und Jugendlichen unterschiedlichen Alters zu berücksichtigen, wurden thematisiert.
Der Tag klang in entspannter Atmosphäre und kleineren Gesprächsrunden aus. Es wurde deutlich, dass es großes Interesse an einer Fortsetzung des Projekts gibt. Erste Ideen für das kommende Jahr wurden formuliert und in der „Ideenkiste“ gesammelt.
Ein herzlicher Dank gilt allen Teilnehmenden, Unterstützenden und ganz besonders Yadegar Asisi für seine Impulse und die großzügige Bereitschaft zum Dialog.





Fotos: Wendt/Frohberg
