von Puppen zu Halbgöttern

Puppe, Porzellan, 10cm x 5 cm x 2cm

Spielzeug in der Antike

In der griechischen wie römischen Antike waren Spielzeug und Spiele genauso in den Alltag integriert wie es heute der Fall ist. Es war in der griechischen Kultur üblich den Nachwuchs zu besonderen Anlässen mit Spielzeug zu beschenken. Solche sind die Geburt, Geburtstage oder religiöse Feste. Zahlreiche Vasenbilder zeugen von Situationen, in denen Kinder spielen, oder mit Spielzeug agieren. Dazu zählten Reifen-, Kreisel-, und Ballspiele. Aber auch Spiele mit Gegenständen, wie Puppen, Tiere oder Knochen (Astragalspiel). Bekannt waren auch Spiele wie Verstecken oder Fangen.

Eine Besonderheit der antiken Kultur war es am Ende der Jugendzeit symbolisch das Kinderspielzeug im Tempel einer Gottheit darzubringen. Bei Mädchen geschah dies meist in Vorbereitung auf die Hochzeit und bei Jungen, wenn sie der Kindheit entwachsen waren. So kann das symbolische Darbringen als eine Art Initiationsritus gesehen werden, der den Übergang von einem Sinnabschnitt in den anderen demonstriert.

Die Handwerker, die Puppen herstellten, hießen in Griechenland koroplastai und bei den Römern figuli. Sie arbeiteten vor allem mit Ton, da er leicht zu bearbeiten und günstig war. Sie verkauften ihre Werke auf dem Markt. Schon zur antiken Zeit wurde viel Mühe investiert, um die Puppen zu vervollkommnen. So wurden sie bemalt, mit Kränzen geschmückt und die Glieder durch Eisendrähte oder Zapfen zur Bewegung verholfen. Neben Ton wurden auch Holz, Elfenbein und Knochen als Baumaterial verwendet.

Spielzeug wurde darüberhinaus nicht nur als reiner Zeitvertreib gesehen, sondern konnte auch erzieherische Ideale verfolgen. So fanden sich auf Puppen Köpfe in der Abbildung der Hera (Göttin für die Ehe und der Frau) und Aphrodite (Göttin der Liebe und der Lust). Demzufolge wurden Ideale in Form von Götterabbilder in das Spiel der Kinder integriert. Somit war Kinderspielzeug nicht nur Zeug, sondern konnte Symbol für einen Übergang im Leben eines Kindes darstellen, als auch Abbild für eine bestimmte Gottheit sein, deren Geschichte wiederum einen erzieherischen Charakter inne wohnte.

Herakles – Das Götterkind

Die Göttin Hera, Gemahlin des Göttervaters Zeus, war bekannt für ihre Abneigung gegenüber einer der bekanntesten Halbgötter der Antike. Sein Name war Herakles. Die Puppe steht nicht nur stellvertretend für das Spielzeug der Antike, sondern soll uns auch die Geschichte eines Kindes erzählen, das sowohl menschlicher und göttlicher Natur gewesen war. Sein Leben stand stets unter einem schwierigen Stern, da nicht Hera die Mutter war, sondern Herakles durch die Vereinigung von Zeus und der sterblichen Alkmene gezeugt wurde.

So erzählt unser Fundstück nicht nur die Geschichte von der Verwendung Spielzeugs in der Antike, sondern zeigt weiterführend auch die Möglichkeit den heranwachsenden Herakles in seiner Entwicklung zum Helden zu begleiten.

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Herakles

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Infografik

Autor Stefan Olschewski

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Quellen:
Fittá, Marco: Spiele und Spielzeug in der Antike. Unterhaltung und Vergnügen im Altertum. 1998.
Rosemann, Gertrud: Spielzeug in der Antike. Eine Ausstellung des Hessischen Puppenmuseums. 1993.