Die antiken Anfänge moderner Fernkommunikation

Mal eben schnell eine Nachricht oder ein Bild auf WhatsApp verschicken, kurz eine Freundin anrufen, auch draußen überall erreichbar sein. Das ist heute Normalität und nicht mehr aus unserem Leben wegzudenken. Heutzutage findet ein Großteil der Telekommunikation mithilfe technischer Medien statt. Unter den 14- bis 34-Jährigen etwa nutzen 95 % regelmäßig WhatsApp; so gut wie jeder besitzt ein Handy. Diese Art der Kommunikation ist der Telegrafie zuzuordnen, die sich durch die Übermittlung einer Nachricht über eine geografische Distanz auszeichnet, bei der zwischen Sender und Empfänger kein Objekt bewegt wird.

Aber was waren eigentlich die Anfänge der Telegrafie? Wann, wo, und vor allem wie, wurde sie erstmals angewendet?

Tatsächlich lassen sich die Anfänge bis in die Antike zurückverfolgen. Bereits im 5. Jh. v. Chr. übertrugen die Griechen mithilfe optischer Signale wie Feuer oder Rauch Nachrichten. Nachteil hierbei war allerdings, dass immer nur eine einzige, vorher festgelegte Nachricht übermittelt werden konnte. „Feuer an“ etwa bedeutete, die vorher festgelegte Situation ist nun eingetreten. Doch was waren die ersten Methoden, eine von zumindest mehreren wahrscheinlichen Nachrichten zu übermitteln? Der griechische Geschichtsschreiber Polybios (ca. 200 v. – 120 v. Chr.) berichtet von einer Methode, die um ca. 350 v. Chr. von dem Griechen Aeneas Tacticus entwickelt wurde und zur Übermittlung von einer Auswahl von wahrscheinlichen Kriegsnachrichten insbesondere während des Alexanderfeldzugs von 334 bis 324 v. Chr. diente. Mögliche vorher festgelegte Nachrichten lauteten beispielsweise „Kavallerie angekommen“, „schwere Infanterie“, „leichte Infanterie“, „Infanterie und Kavallerie“, oder „Schiffe“.

Der hydraulische Telegraf

Zum Senden einer Nachricht benutzen Sender und Empfänger jeweils ein Gerät, welches sich hydraulischer Telegraf nennt. Zur Übermittlung einer Nachricht mussten sie ihre beiden Telegrafen simultan bedienen. Eine Übersicht über das Gerät und die Schritte der Informationsübermittlung kann der folgenden Infografik entnommen werden.

Eine einfache Nachbildung des Telegrafen

Es ist ganz einfach, einen hydraulischen Telegrafen mit einfachen Gegenständen nachzubauen, die fast jeder zu Hause haben sollte. Zwar sieht die Nachbildung nicht so schön aus wie das Original, allerdings ist das Entscheidende die hydraulische Funktion des Telegrafen. In dem folgenden Infoplakat wird der antike Telegraf und eine einfache Nachbildung gegenübergestellt. Es kann außerdem als Anleitung dienen, den Telegrafen selbst nachzubauen.

Die dargestellte Nachbildung ist sicherlich nur eine von vielen möglichen Varianten. Anstatt Styropor kann beispielsweise jedes Material genommen werden, was leichter ist als Wasser. Bestimmt lassen sich geeignete Materialien in jedem Haushalt finden.

Anwendung in der Schule

Das Thema des hydraulischen Telegrafen eignet sich durchaus auch für den Einsatz in der Schule. Es kann beispielsweise Thema eines fächerübergreifenden Unterrichts/Projekts in den Fächern Kunst und Physik sein. In Physik wird das Thema der Hydraulik behandelt und als ein Beispiel einer frühen Anwendung dient der Telegraf. Im Fach Kunst werden die Schüler/innen dann mit der Problemstellung einer einfachen Nachbildung des Mechanismus konfrontiert und bringen geeignete Alltagsmaterialien von zu Hause mit in den Unterricht. Eine Möglichkeit der produktiven Nutzung des Gerätes ergibt sich, wenn immer zwei Schüler/innen, die ähnliche Materialien mitgebracht haben, zwei identische Geräte bauen, denn dann können die jeweiligen Paare den Kommunikationsvorgang selbst praktisch nachempfinden.

 

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Quellen:

https://yougoculture.com/news/hydraulic-telegraph-and-ancientsms

https://archive.org/details/historiespolybi00hultgoog (History X, 43 & 44)

https://www.whatsbroadcast.com/de/content/whatsapp-nutzerzahlen-deutschland-2018/